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zurück zur Übersicht08.08.2025
Ob Neubau, Sanierung oder Nachverdichtung: Wer Lüftungssysteme plant, installiert oder bewertet, kommt an einem Begriff nicht vorbei – den Luftarten. Sie definieren, welche Luft wohin geführt wird, und sind damit Grundlage für die gesamte Raumlufttechnik. Von der Außenluft bis zur Fortluft beschreibt jede Luftart einen spezifischen Abschnitt im Luftkreislauf eines Gebäudes – und ist in Normen wie der DIN EN 12792 klar geregelt.
Für Fachplaner und Installateure ist es essenziell, diese Unterscheidungen zu kennen: Nicht nur für die technische Auslegung, sondern auch zur normgerechten Darstellung und Abstimmung mit anderen Gewerken. Dieser Beitrag bietet einen praxisnahen Überblick – fundiert, normbezogen und mit Blick auf zentrale und dezentrale Lüftungssysteme.
In der Lüftungstechnik beschreibt der Begriff „Luftarten“ die verschiedenen Zustände und Ströme der Luft, die innerhalb eines Systems transportiert, konditioniert oder abgeführt werden. Die Unterscheidung ist nicht optional, sondern eine Planungsgrundlage – sie beeinflusst unter anderem:
die Dimensionierung der Luftvolumenströme
die Auswahl und Anordnung der Komponenten
den Energiebedarf und die Luftqualität
die Erfüllung von Normen und Nachweispflichten (z. B. GEG, DIN 1946-6, EN 16798)
📌 Beispiel: Wird Fortluft mit Umluft verwechselt oder nicht getrennt geführt, kann es zu Rückströmungen und hygienischen Problemen kommen – insbesondere in stark belegten Räumen oder bei WRG-Systemen.
Die Luftarten schaffen somit eine gemeinsame Sprache für alle Beteiligten im Bauprozess – vom Planer über den Bauleiter bis zum Hersteller. Nur wenn klar ist, welcher Luftstrom welche Funktion übernimmt, lassen sich Anlagen effizient, normgerecht und nachvollziehbar umsetzen.
In der Praxis begegnet man häufig Begriffen wie Zuluft, Abluft oder Umluft. Doch ohne genaue Definition und Systemgrenzen kann dies schnell zu Missverständnissen führen. Deshalb wurden die Luftarten in der DIN EN 12792 systematisch normiert – inklusive Symbolik, Kürzeln und Funktionsbeschreibung. Genau das schauen wir uns im nächsten Kapitel an.
Die DIN EN 12792 definiert die Luftarten im Kontext der Raumlufttechnik systematisch – mit eindeutigen Begriffen, standardisierten Kürzeln und klaren Funktionsbeschreibungen. Diese Terminologie dient als Grundlage für die Planung, den Betrieb und die Dokumentation von Lüftungsanlagen – sowohl zentral als auch dezentral.
Die Norm unterscheidet insgesamt sieben Luftarten, die in der folgenden Tabelle mit Kürzel, englischer Bezeichnung und technischer Bedeutung aufgeführt sind:
| Kürzel | Deutscher Begriff | Englischer Begriff | Bedeutung / Funktion |
|---|---|---|---|
| ODA | Außenluft | Outdoor air | Luft, die von außen angesaugt wird |
| SUP | Zuluft | Supply air | Aufbereitete Luft, die in den Raum eingeblasen wird |
| ETA | Abluft | Extract air | Luft, die aus dem Raum abgesaugt wird |
| EHA | Fortluft | Exhaust air | Abluft, die ins Freie abgeführt wird |
| REC | Umluft | Recirculated air | Luft, die aus dem Raum entnommen, ggf. aufbereitet und wieder eingeblasen wird |
| TRA | Übertragene Luft | Transfer air | Luft, die aus einem Raum in einen anderen übertragen wird |
| EXT | Sekundärluft | Secondary air | Luft, die aus einem Raum entnommen und in denselben Raum zurückgeführt wird (z. B. bei Umluftbetrieb innerhalb eines Geräts) |
Zuluft (SUP) ist in der Regel eine Mischung aus Außenluft (ODA) und ggf. Umluft (REC), je nach Anlagenkonzept.
Abluft (ETA) ist meist verbrauchte Raumluft, die z. B. Feuchtigkeit, CO₂ oder Schadstoffe enthält.
Fortluft (EHA) ist die Luft, die endgültig ins Freie abgeführt wird – häufig nach Durchlaufen eines Wärmetauschers.
Umluft (REC) wird in manchen Anlagen zur Energieeinsparung eingesetzt, birgt jedoch hygienische Anforderungen (z. B. bei DIN EN 16798-3).
Sekundärluft (EXT) ist eine Sonderform der Umluft und spielt z. B. bei lufttechnischen Geräten mit interner Zirkulation eine Rolle.
Die Unterscheidung der Luftarten ist kein rein theoretisches Konstrukt – sie beeinflusst direkt:
die Luftmengenberechnung (z. B. Mindestaußenluftvolumenstrom nach Personenbelegung)
die Platzierung von Ein- und Auslässen (z. B. Vermeidung von Kurzschlüssen zwischen Abluft und Zuluft)
die Berechnung von Druckverlusten und Volumenstromregelung
die Anforderungen an Schalldämmung und Hygiene
Die korrekte Unterscheidung und Zuordnung der Luftarten bildet das Rückgrat jeder normgerechten Planung von Lüftungsanlagen. Neben der DIN EN 12792, die die Begrifflichkeiten standardisiert, liefern weitere technische Regelwerke die funktionalen Anforderungen – insbesondere in Bezug auf Luftqualität, Energieeffizienz und Hygiene.
Die DIN EN 16798-3 legt Anforderungen für nichtwohnliche Gebäude fest und konkretisiert unter anderem:
Mindestaußenluftvolumenströme je nach Raumtyp und Belegung
Luftqualitätsklassen (IDA 1–4) mit definierten CO₂- und Geruchskriterien
Anforderungen an Umluftanteile, Wärmerückgewinnung, Filterklassen und Luftführung
Hygienische Vorgaben für Lüftungsanlagen – z. B. bei Umluftsystemen (REC/EXT)
Luftarten existieren nicht isoliert, sondern sind durch Luftbewegung funktional miteinander verbunden. Die zentrale Aufgabe des Planers besteht darin, diese Bewegungen gezielt zu steuern, um:
den Frischluftanteil (ODA/SUP) sicherzustellen
die Verunreinigungstransporte durch ETA/EHA korrekt auszuleiten
die Rückführung von Luft (REC/EXT) hygienisch und energetisch zu bewerten
eine sinnvolle Luftführung zwischen Räumen (TRA) zu realisieren
Die Auswahl und Dimensionierung der Luftarten beeinflusst auch den Primärenergiebedarf eines Gebäudes. Vor allem:
der Anteil von Außenluft (ODA)
der Einsatz von Wärmerückgewinnung zwischen ETA und SUP
die Entscheidung für oder gegen Umluftbetrieb (REC/EXT)
sind entscheidend für die Gesamtbilanz. Moderne dezentrale Systeme kombinieren diese Aspekte in kompakten Einheiten – mit getrennter Luftführung, regelbarer Luftmenge und optionaler Wärmerückgewinnung. So lässt sich die energetische Performance optimieren, ohne auf normkonforme Luftartenführung zu verzichten.
Die verschiedenen Luftarten in der Lüftungstechnik sind nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern haben unmittelbare praktische Relevanz für die Auslegung, Umsetzung und Funktion von Lüftungssystemen. Ihre korrekte Zuordnung und Führung trägt dazu bei, technische Anforderungen zu erfüllen, Luftqualitätsziele zu erreichen und die Betriebssicherheit der Anlage zu gewährleisten.
In diesem Kapitel werden typische Anwendungsszenarien skizziert und verbreitete Fehlerquellen benannt, die in der Praxis immer wieder auftreten – unabhängig davon, ob zentrale oder dezentrale Lüftungssysteme zum Einsatz kommen.
In Wohngebäuden ist eine strukturierte Luftführung wichtig, um die Räume gemäß ihrer Nutzung zu versorgen und zu entlüften. Außenluft (ODA) wird beispielsweise über Lüftungsgeräte oder Durchlässe angesaugt und nach der Aufbereitung als Zuluft (SUP) in Aufenthaltsräume eingebracht. Gleichzeitig wird verbrauchte Raumluft (ETA) aus Feuchträumen abgeführt. Je nach Systemkonzept wird diese Abluft als Fortluft (EHA) ins Freie geleitet oder für eine Wärmerückgewinnung genutzt.
In Gebäuden mit hoher Belegung pro Raum – wie Klassenräumen oder Besprechungszonen – wird häufig Außenluft volumenstromgeregelt eingebracht. Die Luftarten SUP (Zuluft) und ETA (Abluft) müssen hier so geführt werden, dass ein gleichmäßiger Luftaustausch gewährleistet ist. Eine klare Trennung zwischen Frischluftzufuhr und Luftabführung ist dabei essentiell.
In vielen Büro- oder Verwaltungsgebäuden kommen Lüftungssysteme mit Umluftanteilen (REC) zum Einsatz. Dabei wird ein Teil der Abluft zurückgeführt und erneut genutzt. Diese Systeme erfordern eine differenzierte Betrachtung der Luftarten, insbesondere bei der Beurteilung der Luftqualität und der Anforderungen an Filtertechnik, Steuerung und Raumzonierung.
| Fehlerquelle | Mögliche Auswirkung |
|---|---|
| Verwechslung von Abluft (ETA) und Fortluft (EHA) | Unscharfe Luftführung, mögliche Beeinträchtigung der Luftqualität |
| Unklare Volumenstrombilanz bei Umluftanteilen (REC) | Beeinträchtigung der energetischen oder hygienischen Systembewertung |
| Nicht korrekte Nutzung der normierten Luftartenkürzel | Missverständnisse in der Ausführung oder Dokumentation |
| Unzureichende Trennung von Zu- und Abluftwegen | Kurzschlussströme, ineffiziente Luftverteilung, akustische Probleme |
Solche Fehler können vermieden werden, wenn Luftarten bereits frühzeitig im Planungsprozess eindeutig definiert und systematisch in die Planung integriert werden – sowohl im zeichnerischen Teil als auch in der technischen Beschreibung.
Luftarten sind ein zentrales Element der technischen Gebäudeplanung. Ihre korrekte Zuordnung sorgt für einheitliche Kommunikation, saubere Systemdarstellung und normgerechte Auslegung.
In Plänen (z. B. Schemata, Grundrissen) werden Luftarten mit normierten Kürzeln dargestellt
Sie dienen als Grundlage für Luftmengenberechnungen, Volumenstromnachweise und die Auswahl geeigneter Geräte.
Auch die Abstimmung mit Architektur, Brandschutz und Schallschutz erfolgt auf Basis der Luftarten.
Klarheit bei Luftführung und -trennung
Reduktion von Ausführungsfehlern
Nachvollziehbarkeit im Betrieb und bei späteren Anpassungen
Normgerechte Luftartenbezeichnungen erleichtern die Arbeit für alle Beteiligten – von der Planung bis zur Ausführung.
Die klare Definition und Anwendung von Luftarten ist mehr als formale Pflicht: Sie bildet die technische Grundlage für funktionierende Lüftungssysteme, nachvollziehbare Planung und normgerechte Ausführung. Ob zentrale oder dezentrale Systeme – die Kenntnis über Luftarten wie Außenluft, Zuluft, Abluft oder Umluft ist entscheidend für eine gezielte Luftführung und energieeffiziente Anlagenkonzeption.
Wer Luftarten systematisch in den Planungsprozess integriert, schafft:
transparente Dokumentation
sichere Ausführung
und eine dauerhaft funktionierende Lüftungslösung
Damit sind Luftarten nicht nur ein Teil der Norm, sondern ein wichtiges Werkzeug für jeden, der Gebäude verantwortungsvoll plant und ausstattet.
Sie planen ein Projekt und suchen nach passenden Lösungen? Wir unterstützen Sie gern bei der Auswahl und Auslegung geeigneter Lüftungssysteme, sprechen Sie uns gerne an!
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Kontakt
Unser Schalldämmlüfterprogramm stellt sich als besonders flexibel und kompakt dar und repräsentiert seit Jahren die höchsten Schalldämmleistungen am Markt. Unsere primäre Aufgabe gegenüber Architekten und Fachplanern, wenn es um die Umsetzung dezentraler Lüftungsaufgaben geht, sehen wir in einer kompetenten und individuellen Beratung. Zur Lösung Ihrer projektbezogenen Aufgaben stehen nahezu unendlich viele verschiedene Montagemöglichkeiten zur Verfügung. Mit Ventomaxx realisieren Sie hybride Konzepte aus passiver und aktiver Schalldämmlüftung aus einer Hand.
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