
<
zurück zur Übersicht17.02.2026
Die korrekte Berechnung der Luftmenge einer Wohnraumlüftung entscheidet im Einfamilienhaus über Bauphysik, Energieeffizienz und Anlagenperformance. Für TGA-Planer und Projektingenieure ist sie die zentrale Grundlage jeder normkonformen Auslegung nach DIN 1946-6.
Gerade im Neubau mit hoher Luftdichtheit und ambitionierten Effizienzstandards nach GEG reicht eine pauschale Luftwechselrate nicht aus. Stattdessen müssen folgende Faktoren systematisch berücksichtigt werden:
Nutzungseinheit und Raumfunktionen
Luftdichtheit n50
Feuchteschutzanforderungen
Zu- und Abluftbilanzierung
Systemwahl zentral oder dezentral
energetische Bewertung des Luftvolumenstroms
Dieser Beitrag zeigt praxisnah anhand eines typischen Einfamilienhauses:
wie die Luftmenge einer Wohnraumlüftung berechnet wird
wie Luftwechselrate und Luftvolumenstrom zusammenhängen
welche Vorgaben die DIN 1946-6 macht
welche Luftmengen für Bad, Küche und WC anzusetzen sind
wie eine KWL Luftmengen Berechnung strukturiert durchgeführt wird
Ziel ist eine belastbare Methodik, die in der Projektpraxis reproduzierbar ist und Planungsrisiken reduziert.
Im Einfamilienhaus ist die Luftmengenberechnung besonders sensibel, da:
geringe Gebäudevolumina schneller auf Unterlüftung reagieren
innenliegende Bäder häufig ohne Fenster geplant werden
hohe Dichtheitsstandards die natürliche Infiltration minimieren
Schallanforderungen im Wohnbereich hoch sind
Die Luftmenge bestimmt unmittelbar:
die Luftwechselrate im Wohnraum
den erforderlichen Luftvolumenstrom der Lüftungsanlage
die Dimensionierung von Kanälen oder dezentralen Geräten
den SFP-Wert und die energetische Qualität
die Einhaltung der Feuchteschutzlüftung nach DIN 1946-6
Die Luftwechselrate n in 1/h beschreibt, wie oft das Luftvolumen eines Raumes pro Stunde ausgetauscht wird.
Grundformel:
V̇ = V × n
V̇ = Luftvolumenstrom in m³/h
V = Raumvolumen in m³
n = Luftwechselrate in 1/h
Beispiel Wohnraum:
Raumvolumen: 80 m³
angesetzte Luftwechselrate: 0,5 1/h
→ Luftvolumenstrom = 40 m³/h
In der Praxis erfolgt die Berechnung jedoch nicht allein über eine pauschale Luftwechselrate, sondern über die in der DIN 1946-6 definierten Lüftungsstufen.
Moderne Einfamilienhäuser erreichen häufig n50-Werte ≤ 1,5 1/h.
Das bedeutet:
geringe natürliche Infiltration
mechanisch sicherzustellende Feuchteschutzlüftung
höhere Relevanz der normgerechten Außenluftvolumenstrom-Berechnung
Eine fehlerhafte Annahme zur Infiltration führt zu systematischen Planungsabweichungen und kann im Schadensfall haftungsrelevant werden.
Die berechnete Luftmenge beeinflusst:
Energie
Ventilatorleistung
Wärmerückgewinnungsverluste
Auslegungsgröße der Wärmetauscher
Schall
Strömungsgeschwindigkeiten
Kanalquerschnitte
Auswahl von Schalldämmlüftern oder geeigneten Luftdurchlässen
Komfort
CO₂-Konzentration
Feuchteabfuhr
Druckverhältnisse innerhalb der Nutzungseinheit
Für TGA-Planer bedeutet dies: Die Luftmengenberechnung ist kein formaler Normschritt, sondern das Fundament der gesamten Anlagenperformance.
Die Berechnung der Luftmenge einer Wohnraumlüftung im Einfamilienhaus erfolgt nicht frei gewählt, sondern auf Basis klar definierter normativer Vorgaben. Maßgeblich ist die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“.
Für TGA-Planer ist entscheidend:
Die Norm beschreibt keine Gerätauslegung, sondern ein systematisches Verfahren zur Ermittlung notwendiger Außenluftvolumenströme je Nutzungseinheit.
Die Norm verfolgt drei Kernziele:
Sicherstellung des Feuchteschutzes
Gewährleistung hygienischer Mindestanforderungen
Schaffung einer planbaren Grundlage für die Auslegung von Lüftungssystemen
Sie gilt für:
Neubauten
Sanierungen mit lüftungsrelevanten Änderungen
Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser
Im Einfamilienhaus ist insbesondere das Lüftungskonzept verpflichtend, sobald mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche luftdicht erneuert wird.
Vor der eigentlichen Luftmengenberechnung steht die Frage:
Ist eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich?
Dazu wird im Lüftungskonzept geprüft:
Gebäudegröße
Anzahl Nutzungseinheiten
Luftdichtheit
Fensteranteil
Infiltration
Ergebnis ist die Festlegung, ob die Feuchteschutzlüftung nutzerunabhängig sichergestellt werden muss.
Im modernen Einfamilienhaus mit hoher Luftdichtheit ist dies praktisch immer der Fall.
Die Luftmenge der Wohnraumlüftung wird nicht pauschal definiert, sondern differenziert nach Lüftungsstufen:
Feuchteschutzlüftung
Minimal erforderlicher Außenluftvolumenstrom zur Vermeidung von Feuchteschäden.
Muss nutzerunabhängig funktionieren.
Reduzierte Lüftung
Sicherstellung hygienischer Mindestanforderungen bei zeitweiliger Abwesenheit.
Nennlüftung
Auslegung für den Normalbetrieb bei anwesenden Personen.
Intensivlüftung
Zeitweise erhöhte Luftmenge, z. B. bei erhöhter Feuchtelast.
Für die Anlagenplanung im Einfamilienhaus ist in der Regel die Nennlüftung maßgeblich für die Dimensionierung des Luftvolumenstroms.
Die Luftmengenberechnung erfolgt nutzungsbezogen und raumweise.
Grundprinzip:
Zuluft in Aufenthaltsräume
Abluft aus Küche, Bad, WC, Hauswirtschaftsraum
Überströmung über Flure
Die Norm definiert:
Mindest-Abluftvolumenströme für Funktionsräume
Gesamt-Außenluftvolumenstrom der Nutzungseinheit
Anforderungen an die Bilanzierung von Zu- und Abluft
Beispiel typische Mindestwerte für Ablufträume im Einfamilienhaus:
Bad: 40 bis 60 m³/h
Küche: 40 bis 60 m³/h
WC: 30 m³/h
Die genaue Auslegung hängt von:
Lüftungsstufe
Wohnfläche
Personenanzahl
Feuchtelast
Gebäudegröße
ab.
Während die Luftwechselrate oft als erste Orientierung dient, basiert die normgerechte Luftmengenberechnung auf:
erforderlichem Außenluftvolumenstrom
nicht ausschließlich auf einem fixen Luftwechsel n
Dennoch lässt sich aus dem berechneten Volumenstrom rückwirkend eine effektive Luftwechselrate ermitteln:
n = V̇ / V
Diese Kennzahl ist für:
energetische Bewertung
Vergleich verschiedener Systeme
Simulationen
von Bedeutung.
Das Gebäudeenergiegesetz beeinflusst indirekt die Luftmengenberechnung durch:
Anforderungen an die Luftdichtheit
Effizienzvorgaben
Primärenergiebedarf
Je dichter die Gebäudehülle, desto höher die Relevanz einer mechanischen Lüftung zur Sicherstellung der Feuchteschutzlüftung.
Für TGA-Planer bedeutet dies:
Die Luftmengenberechnung ist nicht nur eine DIN-Aufgabe, sondern integraler Bestandteil der energetischen Gesamtbilanz.
Für die praxisgerechte Auslegung im Einfamilienhaus müssen zwei Kenngrößen klar voneinander abgegrenzt werden:
Luftwechselrate n in 1/h
Luftvolumenstrom V̇ in m³/h
Beide stehen in direktem Zusammenhang, erfüllen jedoch unterschiedliche planerische Funktionen.
Während die Luftwechselrate eine dimensionslose Kennzahl ist, beschreibt der Luftvolumenstrom die tatsächlich zu fördernde Luftmenge und bildet die Grundlage für Gerätauswahl, Kanalnetzdimensionierung oder Geräteanzahl bei dezentralen Systemen.
Die Luftwechselrate gibt an, wie oft das gesamte Luftvolumen eines Raumes innerhalb einer Stunde ausgetauscht wird.
Formel:
n = V̇ / V
n = Luftwechselrate in 1/h
V̇ = Luftvolumenstrom in m³/h
V = Raumvolumen in m³
Praxisbeispiel Einfamilienhaus:
Beheiztes Luftvolumen: 450 m³
Ermittelter Außenluftvolumenstrom: 180 m³/h
→ n = 180 / 450 = 0,4 1/h
Diese Größe ist insbesondere relevant für:
bauphysikalische Bewertungen
Vergleich verschiedener Planungsszenarien
energetische Simulationen
Plausibilitätsprüfung der DIN 1946-6 Berechnung
Wichtig: Die DIN 1946-6 definiert keine fixe Luftwechselrate für alle Wohngebäude. Die Luftmenge ergibt sich aus dem normativen Verfahren, nicht aus einem pauschalen n-Wert.
Der Luftvolumenstrom ist die entscheidende Auslegungsgröße für die Wohnraumlüftung.
Grundformel:
V̇ = V × n
In der normgerechten Praxis wird der Volumenstrom jedoch raumweise bestimmt und anschließend zur Nutzungseinheit summiert.
Vorgehensweise im Einfamilienhaus:
Bestimmung der Abluftvolumenströme für Bad, Küche, WC
Festlegung der erforderlichen Lüftungsstufe
Summierung zum Gesamt-Außenluftvolumenstrom
Bilanzierung mit den Zuluftvolumenströmen
Ermittlung des Auslegungsvolumenstroms der Anlage
Der höhere Wert aus Feuchteschutzlüftung und Nennlüftung ist maßgeblich.
In der Praxis werden häufig vereinfachte Richtwerte verwendet:
30 m³/h pro Person
0,5 1/h Luftwechsel
3 bis 5 m³/h pro m² Wohnfläche
Diese Werte dienen der Vorabschätzung, ersetzen jedoch nicht die Berechnung nach DIN 1946-6.
Für TGA-Planer gilt:
Eine projektbezogene Berechnung ist erforderlich, da:
Belegungsannahmen variieren
Raumgrößen unterschiedlich sind
Feuchtequellen stark differieren
Infiltration abhängig vom n50-Wert ist
Vereinfachte Pauschalansätze führen häufig zu Überdimensionierung.
Ein kritischer Punkt bei der Luftmengenberechnung ist die Infiltration.
In Bestandsgebäuden mit höherer Luftdurchlässigkeit kann ein Teil des Außenluftvolumenstroms über Undichtheiten erfolgen. In Neubauten mit n50 ≤ 1,5 1/h ist dieser Anteil jedoch gering.
Für die Feuchteschutzlüftung gilt:
Infiltration darf nur normgerecht angesetzt werden
Sicherheitsabschläge sind zu berücksichtigen
die Sicherstellung muss nutzerunabhängig erfolgen
In der Praxis bedeutet das im Einfamilienhaus-Neubau:
Der überwiegende Anteil der Luftmenge ist mechanisch bereitzustellen.
Zur Einordnung ergeben sich in der Praxis häufig folgende Größenordnungen:
Feuchteschutzlüftung: ca. 0,3 1/h
Nennlüftung: ca. 0,4 bis 0,6 1/h
Intensivlüftung: > 0,7 1/h
Diese Werte sind keine normativen Vorgaben, sondern Erfahrungsbereiche aus realisierten Projekten.
Die exakte Luftmenge Wohnraumlüftung berechnen heißt daher:
normgerechtes Verfahren anwenden
Volumenstrom präzise bestimmen
Luftwechselrate plausibilisieren
energetische und akustische Auswirkungen prüfen
Die Luftmenge einer Wohnraumlüftung wird im Einfamilienhaus raumweise ermittelt und anschließend zur Nutzungseinheit bilanziert. Entscheidend ist dabei die funktionale Trennung in:
Zuluftbereiche
Abluftbereiche
Überströmzonen
Das Ziel ist eine definierte Luftführung vom Aufenthaltsraum in Richtung Feuchtraum mit ausgeglichener Zu- und Abluftbilanz.
Zuluftbereiche
Wohnzimmer
Schlafzimmer
Kinderzimmer
Arbeitszimmer
Abluftbereiche
Bad
WC
Küche
Hauswirtschaftsraum
Überströmzonen
Flure
Dielen
Treppenräume
Die Luft strömt von Zuluft- zu Ablufträumen. Die Luftmengenberechnung muss deshalb immer als Gesamtsystem betrachtet werden.
Die DIN 1946-6 definiert Mindest-Abluftvolumenströme für Funktionsräume. Diese sind abhängig von der gewählten Lüftungsstufe.
Typische Planungswerte für die Nennlüftung im Einfamilienhaus:
Bad
40 bis 60 m³/h
Küche
40 bis 60 m³/h
Separates WC
30 m³/h
Hauswirtschaftsraum
30 bis 40 m³/h
Bei innenliegenden Bädern ohne Fenster ist in der Regel der obere Bereich anzusetzen.
Für die Feuchteschutzlüftung sind geringere Werte möglich, jedoch muss die Feuchteabfuhr dauerhaft sichergestellt sein.
Wichtig für die Praxis:
Die Summe der Abluftvolumenströme bestimmt maßgeblich den erforderlichen Außenluftvolumenstrom der Nutzungseinheit.
Die Zuluftvolumenströme werden so verteilt, dass:
die Summe der Zuluft = Summe der Abluft
keine Druckungleichgewichte entstehen
Komfortanforderungen erfüllt sind
Beispiel Verteilung Einfamilienhaus mit 180 m³/h Gesamtvolumenstrom:
Wohnzimmer
60 m³/h
Schlafzimmer
40 m³/h
Kinderzimmer 1
30 m³/h
Kinderzimmer 2
30 m³/h
Arbeitszimmer
20 m³/h
Die Verteilung orientiert sich an:
Raumgröße
Belegungsannahmen
Nutzung
Möblierung und Luftdurchlassposition
Eine gleichmäßige Verteilung ohne Nutzungsbezug ist fachlich nicht ausreichend.
Überströmöffnungen stellen sicher, dass die berechnete Luftmenge tatsächlich von Zuluft- zu Ablufträumen gelangt.
Planerisch relevant sind:
Türunterkanten
Überströmelemente
Schalldämmelemente
Der erforderliche Überströmquerschnitt ergibt sich aus:
zulässiger Luftgeschwindigkeit
Schallschutzanforderungen
Zu kleine Überströmöffnungen führen zu:
Druckdifferenzen
Strömungsgeräuschen
reduzierter Effektivität der Lüftung
Gerade im Einfamilienhaus mit hohen Komfortanforderungen ist dieser Punkt häufig unterschätzt.
Beispiel Einfamilienhaus, ca. 150 m² Wohnfläche, 4 Personen:
Bad EG
40 m³/h
Bad OG
40 m³/h
Küche
50 m³/h
WC
30 m³/h
Hauswirtschaft
20 m³/h
Summe Abluft
180 m³/h
Entsprechend zu verteilende Zuluft
180 m³/h
Bei einem beheizten Volumen von ca. 450 m³ ergibt sich:
n ≈ 0,4 1/h
Diese Größenordnung entspricht typischen Nennlüftungswerten in Neubauten.
Für TGA-Planer empfiehlt sich eine systematische Kontrolle:
Ist die Feuchteschutzlüftung erfüllt?
Sind Abluftvolumenströme normkonform angesetzt?
Ist die Zu- und Abluft bilanziert?
Entspricht die resultierende Luftwechselrate den Erfahrungswerten?
Sind Schallanforderungen bei den angesetzten Volumenströmen realistisch?
Erst nach dieser Prüfung sollte die eigentliche Systemauswahl erfolgen.
Im Folgenden wird eine praxisnahe Luftmengenberechnung für ein typisches Einfamilienhaus gezeigt. Ziel ist, die Methodik reproduzierbar zu machen, damit du die Schritte direkt in der Projektarbeit anwenden oder in eigenen Berechnungstools abbilden kannst.
Hinweis zur Einordnung: Die konkreten Mindestwerte und Stufenlogik orientieren sich am Vorgehen nach DIN 1946-6. In der Praxis ist immer die projektspezifische Normausgabe und die dazugehörige Berechnungslogik maßgeblich.
Gebäudetyp
Einfamilienhaus, Neubau, hohe Luftdichtheit
Wohnfläche
ca. 150 m²
Raumhöhe im Mittel
2,5 m
Beheiztes Luftvolumen (vereinfachte Plausibilisierung)
V = 150 m² × 2,5 m = 375 m³
plus interne Volumina, Galerie, Verkehrsflächen etc.
Planwert für Plausi: 400 bis 450 m³
Belegung
4 Personen (2 Erwachsene, 2 Kinder)
Räume
Zuluft: Wohnzimmer, Schlafzimmer, 2 Kinderzimmer, Arbeitszimmer
Abluft: Küche, Bad OG, Bad EG oder Duschbad, WC, HWR
Ziel-Lüftungsstufe für Auslegung
Nennlüftung (Normalbetrieb), mit Möglichkeit Intensivlüftung zeitweise
Für die luftmengenbezogene Auslegung ist die Abluftseite oft der erste strukturierende Schritt, da Funktionsräume Mindestvolumenströme vorgeben.
Planansatz Nennlüftung:
Küche
50 m³/h
Bad OG
40 m³/h
Duschbad EG
40 m³/h
Separates WC
30 m³/h
Hauswirtschaftsraum
20 m³/h
Summe Abluft
V̇A = 50 + 40 + 40 + 30 + 20
Rechnung digit-by-digit:
50 + 40 = 90
90 + 40 = 130
130 + 30 = 160
160 + 20 = 180
→ V̇A = 180 m³/h
Damit ist ein erster belastbarer Gesamtvolumenstrom definiert.
Die Feuchteschutzlüftung ist die nutzerunabhängig sicherzustellende Mindestlüftung. In Neubauten mit hoher Luftdichtheit wird sie häufig durch eine mechanische Lüftung vollständig bereitgestellt.
Praktischer Planer-Check:
Wenn Infiltration sehr gering ist, sollte die Feuchteschutzlüftung nicht über „Undichtigkeiten“ angesetzt werden.
Der aus Abluftanforderungen abgeleitete Volumenstrom ist in vielen EFH bereits deutlich oberhalb typischer Feuchteschutzanforderungen.
Konsequenz für dieses Beispiel:
Die gewählte Nennlüftungs-Auslegung (180 m³/h) liegt plausibel über der Feuchteschutzlüftung. Damit ist die Feuchteschutzanforderung voraussichtlich erfüllt, die Dimensionierung erfolgt jedoch über die Nennlüftung.
Im nächsten Schritt wird die Summe der Zuluft auf Aufenthaltsräume verteilt.
Randbedingungen:
Summe Zuluft = Summe Abluft = 180 m³/h
Verteilung nach Nutzung und Belegung
Komfort: niedrige Luftgeschwindigkeiten, keine Zugerscheinungen
Mögliche Zuluftverteilung:
Wohnzimmer
60 m³/h
Schlafzimmer
40 m³/h
Kinderzimmer 1
30 m³/h
Kinderzimmer 2
30 m³/h
Arbeitszimmer
20 m³/h
Summe Zuluft:
60 + 40 = 100
100 + 30 = 130
130 + 30 = 160
160 + 20 = 180
→ V̇Z = 180 m³/h
Bilanz erfüllt.
Damit die berechnete Luftmenge tatsächlich fließen kann, müssen Überströmwege geplant werden.
Planerische Mindestprüfung:
Luft kann von Zuluft- in Ablufträume gelangen
Türunterkanten oder Überströmelemente ausreichend
Schallschutz wird nicht durch zu große Öffnungen kompromittiert
Faustregel für die Projektpraxis:
Je höher die Volumenströme, desto eher müssen gezielte Überströmelemente mit Schallschutz vorgesehen werden, insbesondere zwischen Schlafräumen und Fluren.
Aus dem Gesamtvolumenstrom kann eine effektive Luftwechselrate abgeschätzt werden.
Variante A: konservatives Volumen
V = 400 m³
n = 180 / 400 = 0,45 1/h
Variante B: höheres Volumen
V = 450 m³
n = 180 / 450 = 0,4 1/h
Beide Ergebnisse liegen im typischen Bereich der Nennlüftung im EFH-Neubau.
Für die Gerätedimensionierung ist der Auslegungsvolumenstrom relevant.
Praxisansatz:
Nennlüftung als Dauerbetrieb dimensionieren
Intensivlüftung als zeitweiser Betriebszustand, z. B. 30 bis 60 Minuten, mit erhöhter Stufe
Beispielhafte Intensivlüftung:
Badzuschlag oder temporär +20 bis +40 Prozent Gesamtvolumenstrom
Wenn +25 Prozent angesetzt werden:
180 m³/h × 1,25
Rechnung:
180 × 1 = 180
180 × 0,25 = 45
180 + 45 = 225
→ Intensivbetrieb ca. 225 m³/h
Damit kann die Gerätegröße so gewählt werden, dass:
180 m³/h im effizienten Arbeitspunkt liegt
225 m³/h als Boost möglich ist
Schalldruck und Druckverluste kontrollierbar bleiben
Gesamtvolumenstrom Nennlüftung
180 m³/h
Abluftaufteilung
Küche 50, Bad 40, Duschbad 40, WC 30, HWR 20
Zuluftaufteilung
Wohnen 60, Schlafen 40, Kind 30, Kind 30, Büro 20
Effektive Luftwechselrate
0,4 bis 0,45 1/h (abhängig vom tatsächlichen Volumen)
Auslegungs-Boost (Beispiel)
ca. 225 m³/h
Damit ist eine vollständige, nachvollziehbare Lüftung Einfamilienhaus Berechnung auf Luftmengenniveau abgebildet.
Wenn der Gesamtvolumenstrom für die Nutzungseinheit feststeht, beginnt bei zentralen KWL-Systemen die eigentliche Umsetzungsplanung. Für TGA-Planer ist dabei wichtig: Die Luftmengenberechnung endet nicht bei der Bilanz Zu und Abluft. Sie muss in ein regelbares, einregulierbares und akustisch beherrschbares Netz überführt werden.
Dieses Kapitel zeigt, wie die berechneten Volumenströme aus dem Einfamilienhaus Beispiel praktisch in eine zentrale KWL übertragen werden.
Aus dem Beispiel:
Nennlüftung Nutzungseinheit
180 m³/h
Boost Intensivbetrieb (Planwert)
225 m³/h
Planerische Konsequenz:
Geräteauswahl so, dass 180 m³/h in einem effizienten, leisen Betriebspunkt liegen
225 m³/h kurzfristig möglich sind, ohne dass Druckverlust, Schall oder SFP unvertretbar steigen
Für die Auslegung bedeutet das:
Betriebspunkt definieren: Nenn, reduziert, Boost
Volumenstromreserve berücksichtigen: Filterverschmutzung, Einregulierreserve
Regelstrategie vorplanen: Konstantvolumen, bedarfsgeführt, CO₂ Feuchte
Praxischeck:
Wenn ein Gerät bei 180 m³/h bereits nahe maximaler Kennlinie betrieben wird, sind Schall und SFP in der Regel ungünstig. Planerisch ist ein Arbeitspunkt mit Reserve vorzuziehen.
Die Luftmengenverteilung je Raum wird in Stränge und Abgänge übersetzt.
Beispiel Zuluft:
Wohnzimmer 60 m³/h
Schlafzimmer 40 m³/h
Kinderzimmer 30 m³/h
Kinderzimmer 30 m³/h
Arbeitszimmer 20 m³/h
Beispiel Abluft:
Küche 50 m³/h
Bad OG 40 m³/h
Duschbad EG 40 m³/h
WC 30 m³/h
HWR 20 m³/h
Planungsschritte:
Strangbildung
Zuluftstrang OG, Zuluftstrang EG
Abluftstrang OG, Abluftstrang EG
Leitungsauslegung nach Luftmenge und zulässiger Geschwindigkeit
Ziel: geringe Strömungsgeräusche, geringe Druckverluste
Druckverlustkette definieren
Gerät, Filter, Schalldämpfer, Verteiler, Leitungen, Bögen, Ventile, Luftdurchlässe
Wichtige Praxisregel:
Die Druckverluste der ungünstigsten Strecke bestimmen den Ventilatorarbeitspunkt. Wenn ein Raum durch lange Leitung, viele Bögen und enge Querschnitte überproportional Druckverlust aufweist, führt das zu:
höherer Ventilatorleistung
steigendem SFP
höherem Schallniveau
Regelproblemen bei der Einregulierung
Der SFP-Wert beschreibt die spezifische elektrische Ventilatorleistung bezogen auf den Volumenstrom.
Planerisch relevant, weil:
er die Betriebskosten beeinflusst
er in energetischen Bewertungen und Nachweisen eine Rolle spielt
er stark vom Kanalnetz abhängt, nicht nur vom Gerät
Hebel zur Optimierung im EFH:
kurze, geradlinige Leitungsführung
ausreichend große Querschnitte
qualitativ geeignete Verteilsysteme
reduzierte Anzahl an Formteilen
sorgfältige Schalldämpferauswahl, ohne unnötige Druckverluste
Praxisfehler:
Ein System wird luftmengenseitig korrekt berechnet, aber über ein enges, verschachteltes Netz geführt. Ergebnis ist ein deutlich schlechterer SFP, obwohl Gerät und Volumenstrom passen.
Für die Umsetzung der berechneten Luftmengen ist die Einregulierung entscheidend.
Ziel:
Jeder Raum erhält seinen Sollvolumenstrom
Zu und Abluft sind bilanziert
Boost und reduzierte Stufe bleiben stabil
Typische Komponenten:
Volumenstromregler oder Drosselorgane an Abgängen
einregulierbare Luftdurchlässe
Messstellen oder Messadapter
Empfohlene Vorgehensweise:
Anlage auf Nennlüftung einstellen
Gesamtvolumenstrom prüfen
Raumweise Volumenströme messen und einstellen
Bilanz Zu und Abluft verifizieren
Boostbetrieb testen
Geräuschprüfung in sensiblen Räumen, insbesondere Schlafräume
Praxistipp:
Wenn die Einregulierung nur über starkes Drosseln einzelner Ventile funktioniert, deutet das auf eine ungünstige Netzgeometrie hin. In solchen Fällen steigen Druckverlust und Geräuschpegel.
Im Einfamilienhaus sind die Luftmengen oft akustisch kritisch, weil:
Schlafräume geringe Geräuschpegel tolerieren
Türen nachts geschlossen sind
Überströmwege schalltechnisch begrenzt sind
Konsequenz für die Luftmengenplanung:
Luftdurchlässe passend zu Volumenstrom und Geräuschdaten auswählen
Strömungsgeschwindigkeiten niedrig halten
Schalldämpfer dimensionieren, ohne unnötigen Druckverlust
Damit ist die KWL Luftmengen Berechnung in ein zentrales System übertragen.
Bei dezentralen Wohnraumlüftungen wird die zuvor berechnete Luftmenge nicht über ein Kanalnetz verteilt, sondern raumweise über Einzelgeräte oder paarweise arbeitende Systeme umgesetzt.
Für TGA-Planer verschiebt sich damit der Schwerpunkt:
weg von der Kanalnetzdimensionierung
hin zur geräteweisen Volumenstromzuordnung
sowie zur sauberen Bilanzierung innerhalb der Nutzungseinheit
Die zentrale Frage bleibt identisch:
Wie wird die berechnete Luftmenge Wohnraumlüftung normgerecht und komfortgerecht umgesetzt?
Man unterscheidet im Einfamilienhaus im Wesentlichen:
Dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung im Pendelbetrieb
Einzelraumgeräte mit kontinuierlicher Zu- oder Abluft
Kombination aus dezentralen Geräten und passiven Außenluftdurchlässen ALD
Charakteristisch ist:
Luftmengen werden pro Raum definiert
keine zentrale Strangdimensionierung
Luftbilanz erfolgt auf Gebäudeebene
Aus dem Praxisbeispiel:
Gesamtvolumenstrom Nennlüftung
180 m³/h
Zuluftverteilung:
Wohnzimmer 60 m³/h
Schlafzimmer 40 m³/h
Kinderzimmer 30 m³/h
Kinderzimmer 30 m³/h
Arbeitszimmer 20 m³/h
Bei dezentralen Systemen bedeutet das:
Jeder Zuluft- oder Wechselraum erhält ein oder mehrere Geräte
Die Summe der Geräteleistungen muss der berechneten Raumluftmenge entsprechen
Beispiel Wohnzimmer 60 m³/h:
Option A
2 Geräte à 30 m³/h
Option B
1 Gerät mit 60 m³/h Nennleistung
Die Auswahl hängt ab von:
Schalldaten bei gewünschtem Volumenstrom
Fassadensituation
architektonischer Integration
Regelstrategie
Viele dezentrale Systeme arbeiten im Push-Pull-Prinzip.
Dabei gilt:
Zwei Geräte bilden ein Paar
Während eines Zuluft fördert, arbeitet das andere im Abluftmodus
Nach einem definierten Intervall wird die Richtung gewechselt
Für die Luftmengenberechnung bedeutet das:
Die angegebene Geräteleistung bezieht sich auf den Volumenstrom pro Gerät im Wechselbetrieb.
Planerische Prüfung:
Entspricht die effektive Luftmenge pro Raum der Soll-Luftmenge?
Sind ausreichend Geräte vorhanden, um die Raumlast abzudecken?
Wird die Bilanz zwischen Zu- und Abluft im Gebäude eingehalten?
Wichtig:
Die Luftbilanz darf nicht nur raumweise, sondern muss nutzungseinheitenbezogen betrachtet werden.
In EFH-Konzepten werden häufig:
Aufenthaltsräume mit dezentralen WRG-Geräten ausgestattet
Bäder und Küchen mit reinen Abluftventilatoren betrieben
Außenluft über ALD oder Überströmung nachgeführt
In diesem Fall muss die Luftmengenbilanz exakt geprüft werden.
Beispiel:
Bad OG 40 m³/h Abluft
Küche 50 m³/h Abluft
→ 90 m³/h mechanische Abluft
Diese 90 m³/h müssen als Zuluft nachgeführt werden:
über dezentrale WRG-Geräte
oder über dimensionierte ALD
Unzureichend dimensionierte Außenluftdurchlässe führen zu:
Unterdruck
erhöhter Infiltration über ungewollte Leckagen
Komfort- und Schallproblemen
Passive Außenluftdurchlässe sind strömungsabhängig.
Planerisch relevant:
Volumenstrom bei definiertem Druck
Schalldämmmaß
Winddruckeinfluss
Einbauposition
Wenn z. B. 90 m³/h Außenluft über ALD bereitgestellt werden sollen, muss geprüft werden:
Wie viele Elemente sind erforderlich?
Welcher Volumenstrom wird bei realistischem Druck erreicht?
Entspricht die Schalldämmung den Anforderungen des Wohnstandorts?
Hier zeigt sich häufig ein Planungsfehler:
Die Luftmenge wird normgerecht berechnet, aber die tatsächliche Nachströmungskapazität nicht ausreichend überprüft.
Gerade in der Sanierung oder bei lärmbelasteten Standorten sind Schalldämmlüfter relevant.
Für die Luftmengenberechnung bedeutet das:
Der gewünschte Volumenstrom muss mit den akustischen Kennwerten abgeglichen werden
Hohe Luftmengen führen oft zu schlechteren Schalldaten
Mehrere Geräte mit niedrigerem Einzelvolumenstrom sind häufig akustisch günstiger
Planerische Abwägung:
Wenige große Geräte
versus
mehrere kleinere Geräte mit besserem Schalldruckverhalten
Bilanz Zu und Abluft wird nicht nutzungseinheitenbezogen geprüft
ALD werden zu klein dimensioniert
Schalldaten werden bei Maximalleistung betrachtet, nicht im Nennbetrieb
Wechselbetrieb wird luftmengenmäßig falsch interpretiert
Intensivlüftung ist nicht ausreichend abbildbar
Für TGA-Planer ist daher entscheidend:
Auch bei dezentralen Systemen muss die Luftmengenberechnung strukturiert, normbasiert und bilanziert erfolgen. Die fehlende Kanalplanung reduziert nicht die planerische Verantwortung.
In der Praxis entstehen Probleme selten durch fehlende Normkenntnis, sondern durch Vereinfachungen, unvollständige Bilanzierungen oder systemische Folgefehler zwischen Berechnung und Umsetzung.
Für TGA-Planer ist es deshalb sinnvoll, typische Schwachstellen strukturiert zu prüfen.
Ein häufiger Fehler ist die Auslegung über eine pauschale Annahme wie:
0,5 1/h Luftwechsel
30 m³/h pro Person
3 bis 5 m³/h pro m²
Diese Werte sind lediglich Orientierungsgrößen.
Problem:
Raumfunktionen bleiben unberücksichtigt
Abluftanforderungen für Bad, Küche und WC werden nicht sauber abgebildet
Feuchteschutzlüftung wird nicht explizit geprüft
Konsequenz:
Entweder Unterdimensionierung in Funktionsräumen oder Überdimensionierung des Gesamtsystems.
Fachlich korrekt ist immer die strukturierte Luftmengenberechnung nach DIN 1946-6 mit raumweiser Betrachtung.
Die Luftmenge Wohnraumlüftung berechnen heißt immer auch:
Zuluft = Abluft
In der Praxis werden jedoch häufig:
Abluftvolumenströme normgerecht angesetzt
Zuluftvolumenströme jedoch nur überschlägig verteilt
Folgen:
Druckungleichgewichte
Strömungsgeräusche
unerwünschte Infiltration
reduzierte Wärmerückgewinnungseffizienz
Besonders kritisch ist dies bei:
Kombination aus dezentraler Zuluft und mechanischer Abluft
Sanierungskonzepten mit ALD
Jede Nutzungseinheit benötigt eine saubere Gesamtbilanz.
Gerade im Einfamilienhaus-Neubau mit n50 ≤ 1,5 1/h wird die natürliche Infiltration häufig überschätzt.
Fehlerbild:
Feuchteschutzlüftung teilweise über Infiltration „gedeckt“
mechanische Luftmenge reduziert
Risiko:
tatsächliche Luftdichtheit höher als angenommen
Feuchteschutz nicht dauerhaft gesichert
Haftungsrisiko im Schadensfall
Empfehlung:
In Neubauten konservativ planen und die mechanische Sicherstellung priorisieren.
Ein klassischer Folgefehler:
Die normgerechte Luftmenge wird berechnet, jedoch ohne:
Überprüfung der Strömungsgeschwindigkeiten
Prüfung der Luftdurchlassdaten
Berücksichtigung der Schalldaten im Nennbetrieb
Ergebnis:
Strömungsgeräusche in Schlafräumen
erhöhte Ventilatorleistung
Unzufriedenheit der Bauherren
Lösung:
Die Luftmengenberechnung muss immer mit einer akustischen Plausibilitätsprüfung gekoppelt werden.
Aus Angst vor Unterlüftung werden häufig:
höhere Volumenströme angesetzt
großzügige Zuschläge addiert
Folgen:
steigender SFP-Wert
höhere Betriebskosten
größere Geräte
ungünstigere Arbeitspunkte
Die DIN 1946-6 ist bewusst mit Lüftungsstufen aufgebaut. Die Nennlüftung ist in der Regel ausreichend für die Dauerbetriebsdimensionierung.
Im Einfamilienhaus entstehen Feuchtespitzen durch:
Duschen
Kochen
Wäschetrocknung
Wenn die Luftmengenberechnung ausschließlich auf Dauerbetrieb optimiert ist und keine Boost-Reserve vorgesehen wird, entstehen:
temporäre Feuchteprobleme
Nutzerinterventionen über Fensterlüftung
Planerisch sinnvoll ist:
definierter Intensivbetrieb
klare Regelstrategie
ausreichende Geräteleistungsreserve
Luftmengenplanung ist immer auch Fassaden- und Grundrissplanung.
Typische Konflikte:
zu wenig Platz für Verteilsysteme
Fassadenästhetik vs. Geräteposition
fehlende Überströmwege bei geschlossenen Türen
Eine frühzeitige Abstimmung mit Architektur reduziert spätere Anpassungen.
Für die Projektpraxis lassen sich die kritischen Punkte auf sieben Prüffragen reduzieren:
Wurde die Luftmenge normgerecht nach DIN 1946-6 berechnet?
Sind Abluftanforderungen vollständig berücksichtigt?
Ist die Zu- und Abluft bilanziert?
Ist die Feuchteschutzlüftung nutzerunabhängig gesichert?
Ist die Luftwechselrate plausibel?
Ist die Umsetzung akustisch realistisch?
Ist eine Intensivlüftung vorgesehen?
Wenn diese Fragen strukturiert abgearbeitet werden, ist die Luftmengenberechnung im Einfamilienhaus in der Regel fachlich belastbar.
Die Luftmenge einer Wohnraumlüftung lässt sich sowohl mit zentralen als auch mit dezentralen Systemen normgerecht umsetzen. Für TGA-Planer ist jedoch entscheidend, wie sich die berechneten Volumenströme technisch, energetisch und akustisch realisieren lassen.
Die Frage lautet nicht nur:
Welches System funktioniert?
Sondern:
Welches System setzt die berechnete Luftmenge im konkreten Einfamilienhaus planerisch sauber und wirtschaftlich um?
Zentrale Systeme
Gesamtvolumenstrom wird am Gerät erzeugt
Verteilung über Kanalnetz
Hohe Flexibilität bei der raumweisen Feinabstimmung
Sehr präzise Bilanzierung von Zu- und Abluft möglich
Vorteil aus Luftmengenperspektive:
Exakte Einregulierung jedes Raumes, klare Druckverhältnisse.
Herausforderung:
Druckverluste und SFP hängen stark von Netzplanung ab.
Dezentrale Systeme
Volumenstrom entsteht direkt im Raum
Kein zentrales Verteilnetz
Luftbilanz erfolgt geräteweise
Vorteil:
Keine komplexe Kanalnetzberechnung.
Herausforderung:
Gebäudebilanz muss dennoch exakt geprüft werden, insbesondere bei Kombination mit Abluftsystemen oder ALD.
Planerischer Kernunterschied:
Zentrale Systeme verteilen einen definierten Gesamtvolumenstrom.
Dezentrale Systeme addieren Einzelvolumenströme zur Gesamtlösung.
Neubau Einfamilienhaus
Zentrale KWL:
Gute Integration bei früher Planung
Technikraum meist vorhanden
Hohe energetische Effizienz möglich
Luftmengen gut skalierbar
Dezentrale Systeme:
Vereinfachte Ausführung
Weniger Platzbedarf für Technik
Fassadenplanung frühzeitig abstimmen
Sanierung
Zentrale Systeme:
Leitungsführung häufig schwierig
Decken- und Schachtplanung begrenzt
Luftmengen technisch möglich, baulich aber anspruchsvoll
Dezentrale Systeme:
Vorteilhaft bei fehlenden Schächten
Raumweise Nachrüstung
Luftmengen direkt am Raum anpassbar
Aus Luftmengen-Sicht ist die Berechnung identisch.
Die bauliche Umsetzbarkeit unterscheidet sich deutlich.
Zentrale Systeme
Ein Gerät mit definiertem Arbeitspunkt
Gute Effizienz bei sauberer Netzplanung
Wartung zentralisiert
SFP stark vom Kanalnetz abhängig
Dezentrale Systeme
Mehrere Geräte mit Einzelventilatoren
Wartung raumweise
Effizienz abhängig vom Gerätetyp
Kein Netz-Druckverlust, aber mehr Einzelaggregate
Für die Luftmengenplanung relevant:
Bei zentralen Systemen beeinflusst die Netzplanung die energetische Qualität stärker.
Bei dezentralen Systemen beeinflusst die Geräteanzahl die Investition und Wartungsstruktur.
Zentrale Systeme
Schallquellen zentralisiert
Gute Dämpfungsmöglichkeiten über Schalldämpfer
Sehr niedrige Pegel in Schlafräumen erreichbar
Dezentrale Systeme
Geräuschquelle im Raum
Schalldaten direkt vom Gerät abhängig
Mehrere Geräte können additiv wahrnehmbar sein
Bei höheren Luftmengen, z. B. 50 bis 60 m³/h pro Raum, ist die akustische Bewertung besonders relevant.
Für TGA-Planer bedeutet das:
Die Luftmenge darf nicht isoliert betrachtet werden.
Volumenstrom und Geräuschdaten müssen im Nennbetrieb zusammen bewertet werden.
Boostbetrieb systemweit einfach realisierbar
Leistungsreserve durch Gerätegröße planbar
Intensivlüftung abhängig von Geräteleistung
In einzelnen Räumen begrenzt skalierbar
Bei Feuchtespitzen eventuell mehrere Geräte erforderlich
Gerade bei Bädern mit hoher Feuchtelast kann die Umsetzung der Intensivlüftung systementscheidend sein.
Beide Systeme können die berechnete Luftmenge normgerecht umsetzen.
Zentrale Systeme bieten:
hohe Präzision
klare Bilanzierung
gute Skalierbarkeit
sehr gute akustische Beherrschbarkeit
Dezentrale Systeme bieten:
hohe Flexibilität
bauliche Vorteile in Sanierung
einfache raumweise Umsetzung
geringere Planungsabhängigkeit vom Kanalnetz
Für die Projektentscheidung im Einfamilienhaus sollten folgende Parameter bewertet werden:
Gebäudegeometrie
Technikflächen
Fassadenanforderungen
Schallschutz
Wartungskonzept
Budgetrahmen
Die Luftmengenberechnung bildet dabei immer die objektive Grundlage.
Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Schritte zur normgerechten Luftmengenberechnung einer Wohnraumlüftung im Einfamilienhaus zusammen. Sie ist so aufgebaut, dass sie direkt als Projektleitfaden oder interne Prüfstruktur verwendet werden kann.
Ziel ist eine reproduzierbare, haftungssichere und technisch belastbare Auslegung.
Vor jeder Berechnung sind folgende Parameter eindeutig zu definieren:
Gebäudetyp Neubau oder Sanierung
Wohnfläche und beheiztes Luftvolumen
Raumhöhen und Grundrissstruktur
Anzahl Nutzungseinheiten
angenommene Belegung
Luftdichtheit n50 falls bekannt
energetischer Standard nach GEG
Ohne klare Grunddaten ist keine belastbare Luftmengenberechnung möglich.
Prüfen:
Ist eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich?
Ist die Feuchteschutzlüftung nutzerunabhängig sicherzustellen?
Dokumentieren:
Annahmen zur Infiltration
gewählte Lüftungsstufe für die Auslegung
Begründung der Systemwahl
Das Lüftungskonzept bildet die formale Grundlage der weiteren Planung.
Für folgende Räume Mindestvolumenströme definieren:
Küche
Bad
Duschbad
WC
Hauswirtschaftsraum
Prüfen:
Sind innenliegende Räume vorhanden?
Sind erhöhte Feuchtelasten zu erwarten?
Wurde die passende Lüftungsstufe angesetzt?
Summe der Abluft ergibt den ersten Gesamtvolumenstrom.
Liegt der ermittelte Volumenstrom oberhalb der Feuchteschutzanforderung?
Wurde Infiltration konservativ angesetzt?
Ist die Sicherstellung nutzerunabhängig?
Gerade im Neubau sollte die mechanische Sicherstellung im Vordergrund stehen.
Summe Zuluft = Summe Abluft
Verteilung nach Raumgröße und Nutzung
Schlafräume akustisch besonders prüfen
Keine Überversorgung einzelner Räume
Anschließend:
Bilanzierung der Nutzungseinheit dokumentieren.
Sind Türunterkanten oder Überströmelemente ausreichend dimensioniert?
Werden Schallschutzanforderungen eingehalten?
Entstehen ungewollte Druckdifferenzen?
Ohne funktionierende Überströmung verliert die berechnete Luftmenge ihre Wirkung.
Effektive Luftwechselrate berechnen:
n = Gesamtvolumenstrom / beheiztes Volumen
Prüfen:
Liegt n im realistischen Bereich für Nennlüftung?
Ist das Ergebnis bauphysikalisch plausibel?
Die Luftwechselrate ist ein Kontrollinstrument, kein primärer Auslegungswert.
Zentrale Systeme:
Gerätegröße passend zum Nennvolumenstrom
Druckverlust der ungünstigsten Strecke
SFP-Wert bewerten
Einregulierungskonzept vorhanden
Dezentrale Systeme:
Geräteleistung je Raum ausreichend
Bilanz Zu und Abluft gebäudebezogen geprüft
ALD dimensioniert
Intensivlüftung abbildbar
Ist ein Boostbetrieb vorgesehen?
Ist die Geräteleistung ausreichend dimensioniert?
Bleiben Schallanforderungen eingehalten?
Gerade im Einfamilienhaus mit hoher Nutzerinteraktion ist dieser Punkt praxisrelevant.
Abschließend sicherstellen:
Luftmengenberechnung dokumentiert
Lüftungskonzept archiviert
Schnittstelle Architektur abgestimmt
Schnittstelle Energieberatung berücksichtigt
Übergabe an Ausführung klar definiert
Eine saubere Dokumentation reduziert Rückfragen, Nachträge und Haftungsrisiken.
Die Luftmenge einer Wohnraumlüftung im Einfamilienhaus zu berechnen ist kein formaler Normschritt, sondern die zentrale planerische Stellgröße für:
Feuchteschutz und Bauphysik
Energieeffizienz nach GEG
akustischen Komfort
stabile Druckverhältnisse
langfristig wirtschaftlichen Betrieb
Die DIN 1946-6 liefert dafür ein klares Verfahren. Entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung in der Projektpraxis:
raumweise Abluftdefinition
saubere Zu- und Abluftbilanzierung
konservative Bewertung der Infiltration
Plausibilitätsprüfung über die Luftwechselrate
systemgerechte Umsetzung zentral oder dezentral
Berücksichtigung von Intensivlüftung und Schallschutz
Gerade im Einfamilienhaus mit hoher Luftdichtheit und sensiblen Komfortanforderungen zeigt sich die Qualität der Planung im Detail der Luftmengenberechnung.
Für TGA-Planer und Projektingenieure bedeutet das:
Wer die Luftmengenberechnung strukturiert, nachvollziehbar und normkonform durchführt, reduziert nicht nur technische Risiken, sondern stärkt auch die eigene Planungssicherheit gegenüber Bauherren, Energieberatern und ausführenden Unternehmen.
In komplexeren Projekten oder bei speziellen Randbedingungen kann es sinnvoll sein, frühzeitig einen erfahrenen Hersteller in die Auslegung einzubinden, insbesondere bei:
anspruchsvollen Schallschutzanforderungen
Kombination aus zentralen und dezentralen Systemen
Sanierung mit begrenzten Einbauräumen
spezifischen Fassadenanforderungen
projektbezogenen Sonderlösungen
Technische Auslegungshilfen, Luftmengen-Checks und systembezogene Beratung unterstützen dabei, die berechneten Volumenströme praxisgerecht umzusetzen und spätere Anpassungen zu vermeiden.
Ein praxisnaher Überblick darüber, wie dezentrale Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung funktionieren, welche technischen Vorteile sie bieten und in welchen Situationen sie besonders effizient sind. Diese Ansätze zeigen, wie Luftvolumenströme gezielt gesteuert werden können, ohne auf ein zentrales Kanalnetz angewiesen zu sein, was insbesondere für Einfamilienhäuser interessant ist.
Ein verständlicher Vergleich der beiden Lüftungskonzepte mit Fokus auf Planungsaspekte, Effizienz und Einsatzbereiche – ideal für Leser, die zwischen Systemen entscheiden müssen. Der Artikel erklärt, wie zentrale und dezentrale Systeme technisch und wirtschaftlich differieren und welche Auswirkungen das auf Planung und Gebäudeintegration hat.
Ein praxisorientierter Leitfaden zur fachgerechten Positionierung und Montage dezentraler Lüftungssysteme, inklusive Empfehlungen zur Einbausituation und häufigen Fehlern, die es zu vermeiden gilt. Diese Hinweise eignen sich perfekt zur Ergänzung deiner planerischen Betrachtung von Luftmengen und Umsetzungskonzepten
Kontakt
Unser Schalldämmlüfterprogramm stellt sich als besonders flexibel und kompakt dar und repräsentiert seit Jahren die höchsten Schalldämmleistungen am Markt. Unsere primäre Aufgabe gegenüber Architekten und Fachplanern, wenn es um die Umsetzung dezentraler Lüftungsaufgaben geht, sehen wir in einer kompetenten und individuellen Beratung. Zur Lösung Ihrer projektbezogenen Aufgaben stehen nahezu unendlich viele verschiedene Montagemöglichkeiten zur Verfügung. Mit Ventomaxx realisieren Sie hybride Konzepte aus passiver und aktiver Schalldämmlüftung aus einer Hand.
Unser Schalldämmlüfterprogramm stellt sich als besonders flexibel und kompakt dar und repräsentiert seit Jahren die höchsten Schalldämmleistungen am Markt. Unsere
primäre Aufgabe gegenüber Architekten und Fachplanern, wenn es um die Umsetzung dezentraler Lüftungsaufgaben geht, sehen wir in einer kompetenten und individuellen Beratung. Zur Lösung Ihrer projektbezogenen Aufgaben stehen nahezu unendlich viele verschiedene Montagemöglichkeiten zur Verfügung. Mit Ventomaxx realisieren Sie hybride Konzepte aus passiver und aktiver Schalldämmlüftung aus einer Hand.
mehr erfahren >